Ausgabe 3 – 2025

We, the six million: Euthanasieverbrechen im Regierungsbezirk AachenBeiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus im westlichen Rheinland
Aus der Reihe We, the six million. Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus im westlichen Rheinland
Beschreibung
In einem gemeinsamen Antrag sprachen sich 2024 die Fraktionen von SPD, CDU/CSU, Bündnis 90/Die Grünen und FDP im Deutschen Bundestag dafür aus, die Aufarbeitung der ›Euthanasie‹-Verbrechen und der Zwangssterilisationen während des Nationalsozialismus zu intensivieren. Am 3. Juli 2024 wurde der Antrag vom Kulturausschuss gebilligt. Ein Ziel dieses Antrags ist das Vorhaben, bundesweit Akten »zu lokalisieren, zu sichern und zu konservieren, um sie für Forschung, Bildung und Anfragen nutzbar zu machen.«
Die ›Euthanasie‹-NS-Verbrechen und Zwangssterilisierungen fanden auch im westlichen Rheinland, im ehemaligen Regierungsbezirk Aachen, statt. Orte in Aachen, in Monschau, in Jülich und in Düren werden in dieser Ausgabe beispielhaft thematisiert. Psychiatrische Einrichtungen, Gesundheitsämter, Ärzte und verschiedene andere Institutionen nahmen an diesen Verbrechen teil. Heute noch verbinden viele Menschen Düren mit der grotesken, popkulturellen Darstellung amerikanischer Psychiatrien aus Horrorfilmen, das Odem der psychischen Krankheit haftet am Ort: »Pass nur auf, sonst kommst du nach Düren!« Die Forschung zur Provinzial Heil- und Pflegeanstalt Düren während der NS-Zeit vermittelte der Redaktion ein realistisches Bild des dortigen Alltags. Die Ausgabe ist deswegen zugleich der Versuch, das verzerrte Bild der Anstalt zu revidieren.
In doppelter Weise von Ausgrenzung und Verfolgung betroffen waren jüdische Patient*innen, die in den psychiatrischen Einrichtungen untergebracht waren. Sie traf die antisemitische Verbindung der rassistischen NS-Eugenik, weswegen sie vielfach die ersten Opfer der NS-Vernichtungspolitik wurden. Ihre Familien hatten häufig keine Möglichkeit die Verwandten aus den Fängen der nationalsozialistischen Einrichtungen zu retten, rechtliche Schritte waren den Jüdinnen und Juden aufgrund der antisemitischen Gesetzgebung so gut wie unmöglich.
Ausgabe 2 – 2024

We, the six million: Die Verfolgung queerer Menschen während der NS-ZeitBeiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus im westlichen Rheinland
Aus der Reihe We, the six million. Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus im westlichen Rheinland
Beschreibung
Am 27. Januar 2023 stellte der Bundestag erstmals die Verfolgten sexueller Minderheiten in den Mittelpunkt des Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Der Schwerpunkt lag dabei auf dem im Forschungsdiskurs neueren und durchaus nicht unumstrittenen Begriff der »queeren Opfer« nationalsozialistischer Verbrechen.
Zentral für eine Verankerung dieser Verfolgungsgeschichten im allgemeinen Bewusstsein ist die regionalhistorische Integration sowohl von zivilgesellschaftlichen Akteur*innen, die die Forschung zu diesem Thema im Wesentlichen vorantreiben, als auch das regionale Quellenstudium, das Hinweise und Perspektiven auf mögliche queere NS-Opfer bietet.
Für Stadt und Städteregion Aachen bestehen in diesem Kontext zwei Herausforderungen. Erstens fehlt eine eigenständige Publikation sowohl zur Verfolgung von Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, ihres Geschlechts oder ihres Genders im ehemaligen Regierungsbezirk Aachen verfolgt wurden, als auch ihrer alltagsgeschichtlichen Darstellungen vor und während der nationalsozialistischen Herrschaft. Zweitens ist diese Leerstelle wiederum durch den thematischen Zugang erschwert, da insbesondere die Verfolgung aufgrund des Geschlechts oder der Sexualität selten in der Nachkriegsgesellschaft thematisiert wurde, so dass häufig nur mündliche Überlieferungen von entweder Vermutungen, oder aber – in seltenen Fällen – aus den Communitys und Interessensvertretungen selbst herausgetragen worden sind.
Ein erster wichtiger Schritt der regionalhistorischen Aufarbeitung war die Verlegung eines Stolpersteins für den homosexuellen Fotografen Jean Horegard 2022 in Aachen. Unmittelbar daneben lag ein Treffpunkt, der laut Zeitzeug*innen auch als Ort diente, an dem sich homosexuelle Männer in den 1930er Jahren treffen konnten. Aus diesem Grund wurde hier während des Christopher Street Days 2023 eine Tafel der Wege gegen das Vergessen zum Gedenken an die Verfolgung homosexueller und queerer Menschen angebracht.
Diese Zeitschrift widmet sich in einigen Schlaglichtern unterschiedlichster methodischer und inhaltlicher Ansätze. Ohne dabei den Anspruch zu stellen, vollständige Verfolgungs- und Lebensgeschichten aufarbeiten zu können, soll ein Angebot mit verschiedenen Hinweisen für weitere Forschung angeregt werden. Die Autor*innen möchten Fallbeispiele und vereinzelte Hinweise auf zu vertiefende Ansatzpunkte liefern und zeigen dabei, dass unterschiedliche Quellenmaterialien multiperspektivische und teilweise intersektionale Vorgehensweisen erfordern.
Ausgabe 1 – 2023

Wege gegen das Vergessen – Zeitschrift der NS-Dokumentationsstätte Aachen Flucht und Vertreibung
Aus der Reihe We, the six million. Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus im westlichen Rheinland
Beschreibung
In Aachen existieren seit Jahrzehnten dutzende zivilgesellschaftliche Vereine, bürgerliche Institutionen und politische Initiativen, die sich der Erinnerungskultur widmen, die Zeit des Nationalsozialismus in Aachen und Umgebung aufarbeiten und das Gedenken an die Opfer der NS-Verbrechen wachhalten. Seit 1997 arbeiten die in der Volkshochschule beheimateten »Wege gegen das Vergessen« zu diesem dunklen Teil der Aachener Stadtgeschichte und erarbeiteten in einem dezentralen Erinnerungskonzept mehr als vierzig Gedenktafeln, die an verschiedenen relevanten Orten in Aachen und Umgebung im öffentlichen Raum aufgestellt sind.
Die im Rahmen der Gründung der Aachener NS-Dokumentationsstätte ins Leben gerufene Zeitschrift wurde nach ebenjenen Wegen gegen das Vergessen benannt. In der ersten Ausgabe werden neben der Arbeit der VHS und der NS-Dokumentationsstätte die Themen Flucht und Vertreibung in den Vordergrund gestellt: Die Autor*innen thematisieren darin unter anderem die Reichspogromnacht in Hoengen und das in der Deutsch-Niederländischen Grenzregion operierende Helfer*innen-Netzwerk in Kerkrade, rekapitulieren aber auch Einzelschicksale und führen Zeitzeugeninterviews durch.
Englische Sonderausgabe – 2024

Routes toward Remembrance – Discrimination, Persecution and Resistance
A journal of the project We, the six million
Every year the city of Aachen welcomes tens of thousands of visitors from all over the world. As a »City of Europe« and situated near the two borders with Belgium and the Netherlands, Aachen is renowned for hosting the World Equestrian Festival CHIO. Much international attention is also paid to the annual award ceremony of the Karlspreis, the International Charlemagne Prize of Aachen for work done in the service of European unification. While the history of Charlemagne is widely known and positively contributes to Aachen’s image and tourism, little has been published in English about the city’s history during the time of National Socialism from 1933 to October 1944, when the Wehrmacht surrendered and gave up the city. We believe that this part of Aachen’s history must be related to a more international public so that it does not fall into oblivion. The Nazi crimes as well as the persecution of Jewish and other citizens urge us to remind and remember and preserve their memory. This is why – from the outset – we have wished to publish an international edition of our magazine »We, the six million«. We chose English as a lingua franca and therefore call this issue »Routes towards Remembrance«. This issue offers a collection of articles, often with a focus on regional history. Readers are invited to look closer into the topics, events and personalities presented here. Special emphasis is put on escape and migration, persecution, and displacement as well as resistance and the assistance to refugees. Another focus lies on the documentation of Nazi tyranny in and around Aachen. For many years now, the initiative of »Routes towards Remembrance« has researched and shared their insights with citizens of all ages. This has led to places of commemoration and extensive educational programmes against forgetting, against antisemitism and violence, and against any trivialisation of National Socialism.
